Seit fast 30 Jahren funktionieren Schweizer Websites nach demselben Grundprinzip: Unternehmen veröffentlichen Informationen, Angebote und Dienstleistungen auf Ihren Websites und Shops, Menschen suchen via Suchmaschinen nach benötigten Antworten, Dienstleistungen und Produkten. Hauptsächlich genutzt wurde dafür die Google Suchmaschine. Die künstliche Intelligenz hat dieses Modell grundlegend verändert. Wohin führt der Weg in den kommenden Jahren? Eins ist bereits klar: Die Website der Zukunft wird mehr sein müssen als eine schöne digitale Präsentation.
Das Internet steht vor einem grundlegenden Wandel
Stellen Sie sich vor, Sie suchen ein geeignetes Hotel für Ihre nächsten Ferien. Bisher öffneten Sie eine Suchmaschine, besuchen verschiedene Websites, vergleichen dort die Preise, prüfen die Verfügbarkeit und nehmen schliesslich eine Buchung vor. In Zukunft könnte dieser Ablauf ganz anders aussehen: Sie teilen Ihrem persönlichen KI-Assistenten nur noch mit, wohin Sie reisen möchten, welches Budget Sie haben und welche Anforderungen Ihnen wichtig sind. Der Assistent recherchiert dann selbstständig, vergleicht Angebote und bereitet die passende Buchung vor. Es ist gut möglich, dass Sie dabei keine einzige Hotelwebsite mehr besuchen müssen. Bilder und Videos werden Ihnen direkt vom KI-Assistenten angezeigt und die beste Angebote vorgeschlagen. Mit entsprechender Berechtigung kann der AI Agent auch direkt für Sie reservieren oder stornieren. Bereits jetzt sind Entwicklungen im Gange, die in diese Richtung führen. Und diese Veränderungen betreffend nicht nur Hotels und Reiseanbieter. Sie betrifft praktisch jedes Unternehmen, das im Internet sichtbar sein, Informationen vermitteln oder Dienstleistungen anbieten möchte oder muss.
Weshalb die klassische Website an Bedeutung verliert
Die meisten Websites sind heute für Menschen konzipiert. Sie besitzen eine Navigation als Menüführung durch die Strukturen, verschiedene Unterseiten, Bilder, Texte, Kontaktformulare und vielleicht auch einen Online-Shop. Wer Informationen benötigt, muss die Website besuchen und sich durch die Inhalte bewegen. Dieses Prinzip hat über Jahrzehnte funktioniert und bewährt. Mit künstlicher Intelligenz entsteht jedoch ein zusätzlicher Weg, Informationen zu finden und zu nutzen. Statt selbst zwanzig Websites zu besuchen, kann ein Mensch eine KI mit der Recherche beauftragen. Diese sucht nach relevanten Informationen, vergleicht unterschiedliche Anbieter und liefert eine auf die persönlichen Bedürfnisse zugeschnittene Antwort. Damit verändert sich eine zentrale Frage: Nicht mehr nur «Wie bringen wir Menschen auf unsere Website?», sondern zunehmend auch «Wie stellen wir sicher, dass intelligente KI Systeme unser Unternehmen kennen, verstehen und berücksichtigen?»Für Unternehmen ist das eine grundlegende Veränderung ihrer digitalen Kommunikation.
Der eigentliche Wert liegt künftig hinter der Website
Ein Unternehmen verfügt über zahlreiche wertvolle Informationen: seine Dienstleistungen, Produkte, Fachkompetenzen, Standorte, Preise, Verfügbarkeiten und viele weitere Daten. Heute sind diese Informationen häufig direkt mit der Website verbunden. Sie liegen in einzelnen Textseiten, Tabellen, Dokumenten oder voneinander getrennten Systemen. Für Menschen sind solche Inhalte oft gut lesbar. Für automatisierte Systeme sind sie nicht immer eindeutig interpretierbar oder direkt nutzbar. Das Internet der Zukunft benötigt deshalb zunehmend Informationen, die klar strukturiert, miteinander verknüpft und über geeignete Schnittstellen zugänglich sind.
Eine Hotelplattform beispielsweise sollte nicht nur eine schön gestaltete Hotelseite und Angebote anzeigen können. Sie sollte auch zuverlässig Auskunft darüber geben können, wo sich das Hotel befindet, welche Ausstattung vorhanden ist, welche Zimmer angeboten werden und ob diese zu einem bestimmten Zeitpunkt verfügbar sind. Daneben nicht zu vergessen was andere Reisende über dieses Hotel denken, ob Sie zufrieden waren mit der Reise und dem Hotelangebot. Solche Informationen sollen nicht ausschliesslich innerhalb einer Website funktionieren, sondern überall. Sie könnten ebenso von einer mobilen Anwendung, einer Suchmaschine, einem digitalen Reiseassistenten oder einem anderen berechtigten System genutzt werden. Damit wird aus der bisherigen Website zunehmend eine eigenständige digitale Informations- und Dienstleistungsplattform.
Agentic Web – wenn das Internet selbstständig Aufgaben erledigt
Diese Entwicklungen führt zu einem neuen Begriff: dem Agentic Web. Gemeint ist ein Internet, in dem künstliche Intelligenz nicht nur Informationen findet und Fragen beantwortet, sondern auch selbstständig Aufgaben ausführen kann. Solche KI-Systeme werden als Agenten bezeichnet. Ein Agent könnte beispielsweise für ein Unternehmen geeignete Lieferanten vergleichen, Produktinformationen einholen, Termine koordinieren oder eine konkrete Offerte anfordern. Dabei kommuniziert er möglicherweise direkt mit den digitalen Systemen anderer Unternehmen.
Dafür muss er diese Systeme verstehen und auf die benötigten Informationen zugreifen können. Bei geschäftlichen Aktionen braucht er zudem entsprechende Berechtigungen und Sicherheitsmechanismen. Das Internet entwickelt sich damit von einer Sammlung miteinander verlinkter Informationsseiten zu einer Umgebung, in der Menschen, Anwendungen und intelligente Agenten miteinander interagieren. Diese Entwicklung steckt noch in unterschiedlichen Reifestadien. Die technischen Grundlagen entstehen jedoch bereits heute. Woche für Woche erleben wir innovative Entwicklungen, die uns dieser Zukunft einen oder gleich mehrere Schritte näherbringen. Gerade überschlagen sich die Newsmeldungen und Ereignisse in Sachen KI zum Thema Sicherheit, Sicherheitslücken und selbstständigen Angriffen auf Drittsysteme. Die KI Agenten von Open AI, Antrophic, SpaceX beginnen bereits selbstständiger zu werden, da sie von Version zu Version dafür trainiert werden, autonomert zu werden. Bis jetzt noch etwas unbeholfen und selbstständig ohne Wissen des KI Unternehmens.
Brauchen Unternehmen künftig überhaupt noch eine Website?
Die Antwort ist klar: Ja! Denn Websites bilden weiterhin die digitale Präsenz des Unternehmens im weltweiten Netz ab. Aber ihre Aufgabe und möglicherweise auch Ihre Bezeichnung verändert sich über die kommenden Jahre. Menschen wollen auch künftig Unternehmen oder Ihre Produkte digital und visuell erleben können. Sie möchten Bilder betrachten, Angebote entdecken, Vertrauen aufbauen, Informationen vergleichen und Dienstleistungen nutzen. Deshalb bleibt eine ansprechende Benutzeroberfläche weiterhin wichtig. Doch diese Oberfläche muss nicht mehr untrennbar mit den dahinterliegenden Informationen verbunden sein.
Man kann sich das wie ein modernes Geschäft vorstellen. Das Ladengeschäft ist das, was Kundinnen und Kunden sehen. Er präsentiert Produkte, vermittelt Atmosphäre und ermöglicht eine angenehme Einkaufserfahrung. Dahinter arbeiten Lager, Warenwirtschaft, Logistik und zahlreiche weitere Systeme. Sie sorgen dafür, dass Informationen korrekt sind und Bestellungen abgewickelt werden können. Ein ähnliches Prinzip wird im digitalen Raum immer wichtiger. Die sichtbare Website bildet die benutzerfreundliche Oberfläche. Die eigentliche Informations- und Geschäftslogik arbeitet unabhängig davon im Hintergrund. Das eröffnet neue Möglichkeiten: Ein Unternehmen kann seine digitale Oberfläche weiterentwickeln, ohne jedes Mal sämtliche Inhalte und Prozesse neu aufbauen zu müssen. Und dieselben Informationen können gleichzeitig für die Kommunikation mit KI-Systemen bereitgestellt werden.
Warum Unternehmen bereits heute handeln sollten
Niemand kann mit Sicherheit vorhersagen, wie das Internet in fünf oder zehn Jahren aussehen wird. Doch die Richtung ist erkennbar. Informationen werden zunehmend durch intelligente Systeme verarbeitet. Digitale Dienstleistungen werden stärker automatisiert. Und die Anforderungen an die Qualität, Struktur und Zugänglichkeit von Unternehmensdaten steigen. Unternehmen müssen deshalb nicht abwarten, bis sich eine bestimmte Technologie vollständig durchgesetzt hat. Sie können bereits heute die Grundlagen schaffen. Dazu gehört, Informationen klar zu strukturieren, digitale Systeme sinnvoll miteinander zu verbinden und die eigene Online-Präsenz nicht ausschliesslich als Sammlung einzelner Webseiten zu betrachten. Wer diese Voraussetzungen schafft, bleibt flexibler. Neue Benutzeroberflächen, Anwendungen und KI-gestützte Dienstleistungen lassen sich später wesentlich einfacher integrieren. Wer hingegen ausschliesslich in die äussere Erscheinung seiner Website investiert, ohne die dahinterliegenden Strukturen zu berücksichtigen, riskiert, künftige Entwicklungen nur mit erheblichem Zusatzaufwand nachvollziehen zu können.
Die Zukunft beginnt hinter der sichtbaren Oberfläche
Die Website der Zukunft wird für Menschen möglicherweise einfacher, übersichtlicher und intuitiver aussehen als heute. Was im Hintergrund geschieht, wird gleichzeitig deutlich leistungsfähiger. Unternehmensdaten, digitale Anwendungen und intelligente Agenten werden stärker miteinander kommunizieren. Die entscheidende Frage ist deshalb nicht mehr nur, wie eine Website aussieht. Sondern wie gut ein Unternehmen digital verstanden, gefunden und in neue Prozesse eingebunden werden kann. Genau darin liegt eine der grossen Herausforderungen und auch grosse Chance der kommenden Jahre.
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