In der Schweiz sind rund 99 Prozent aller Unternehmen kleine und mittlere Unternehmen. Diese KMU beschäftigen über zwei Drittel der Erwerbstätigen und bilden damit das Fundament der Schweizer Wirtschaft. Gleichzeitig zeigt eine Studie von Localsearch und der Hochschule Luzern aus dem Jahr 2025, dass eine erschreckende Diskrepanz zwischen den digitalen Erwartungen der Bevölkerung und dem tatsächlichen Angebot dieser Unternehmen besteht: 82 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer möchten sich digital über Dienstleistungen informieren, doch nur ein Drittel der Mikrounternehmen mit bis zu neun Mitarbeitenden verfügt überhaupt über eine professionelle Website. Localsearch-CEO Stefano Santinelli brachte es auf den Punkt: Wenn ein KMU nicht auf Google, Bewertungsplattformen oder in KI-Ergebnissen auftaucht, existiert es für die meisten Kundinnen und Kunden schlicht nicht. Und genau hier beginnt die Geschichte von Search Everywhere Optimization — einem Ansatz, der weit über das hinausgeht, was die meisten Unternehmen unter Suchmaschinenoptimierung verstehen.
Search Everywhere Optimization — im internationalen Fachdiskurs oft auch als SEvO oder OmniSEO bezeichnet — beschreibt die Praxis, die Sichtbarkeit einer Marke über sämtliche Plattformen hinweg aufzubauen, auf denen die eigene Zielgruppe sucht, recherchiert und Entscheidungen trifft. Der Begriff wurde 2023 von Ashley Liddell, Gründer der Beratungsfirma Deviation, als Marke eingetragen und hat sich seither in der globalen Marketingszene etabliert. Die Grundidee ist einfach, aber radikal: Wer sich darauf beschränkt, bei Google auf Seite eins zu erscheinen, ignoriert den grössten Teil der Reise, die ein potenzieller Kunde heute unternimmt, bevor er eine Entscheidung trifft. Denn diese Reise führt längst nicht mehr nur über die klassische Suchmaschine. Sie führt über YouTube-Videos, TikTok-Kurzclips, LinkedIn-Diskussionen, Reddit-Threads, Instagram-Reels, Bewertungsportale, Podcast-Plattformen und — immer häufiger — über KI-gestützte Assistenten wie ChatGPT, Google Gemini oder Perplexity.
Um die Relevanz dieses Themas für die Schweiz zu verstehen, lohnt sich ein Blick auf die Zahlen. Laut dem IGEM-Digimonitor 2025, der repräsentativsten Studie zur Schweizer Mediennutzung, verwenden erstmals 60 Prozent der Bevölkerung — rund 3,8 Millionen Menschen — mindestens gelegentlich KI-Tools. Im Vorjahr waren es erst 40 Prozent, was einem Anstieg von 20 Prozentpunkten innerhalb eines einzigen Jahres entspricht. Noch eindrucksvoller ist die Aufschlüsselung nach Alter: Bei den 15- bis 34-Jährigen nutzen bereits 79 Prozent regelmässig KI, bei den über 55-Jährigen immerhin 40 Prozent. Fast die Hälfte der Schweizer Bevölkerung setzt KI-Tools mittlerweile auch als Alternative zu klassischen Suchmaschinen wie Google oder Bing ein. Das bedeutet: Ihre potenziellen Kunden — ob Privatperson oder B2B-Einkäufer — stellen zunehmend nicht mehr nur Google eine Frage, sondern auch ChatGPT. Und wenn Ihr Unternehmen in den Antworten dieser Systeme nicht vorkommt, haben Sie ein unsichtbares Problem.
Google ist in der Schweiz nach wie vor die mit Abstand meistgenutzte Suchmaschine. Laut Statista lag der Marktanteil 2024 bei rund 88,9 Prozent, gefolgt von Microsoft Bing mit gut 7 Prozent. Doch diese Zahlen erzählen nur einen Teil der Wahrheit. Seit März 2025 sind in der Schweiz Googles sogenannte AI Overviews verfügbar — KI-generierte Zusammenfassungen, die direkt über den klassischen Suchergebnissen erscheinen und in allen vier Landessprachen sowie in Englisch funktionieren. Google meldet weltweit bereits über 1,5 Milliarden monatliche Nutzer dieser Funktion. Die NZZ titelte treffend, dass dies die weitreichendste Änderung der Suchmaschine seit Langem sei. Für Unternehmen bedeutet das: Selbst innerhalb von Google genügt es nicht mehr, einen blauen Link auf Seite eins zu platzieren. Wer in den KI-generierten Übersichten als zitierte Quelle erscheinen will, braucht Inhalte, die nicht nur für Menschen verständlich, sondern auch für Maschinen verwertbar sind — strukturierte Daten, klare Aussagen, belegte Zahlen und eine eindeutige thematische Autorität.
Doch das Suchverhalten der Schweizer Bevölkerung fragmentiert sich weit über Google hinaus. Die Social-Media-Landschaft der Schweiz zeigt ein differenziertes Bild: LinkedIn ist mit rund 5,3 Millionen aktiven Nutzern die beliebteste Plattform und damit ein zentraler Kanal im B2B-Bereich — für viele KMU, die andere Unternehmen beliefern, ist LinkedIn de facto die wichtigste Suchmaschine. Darauf folgt Instagram mit etwa 4,1 Millionen Nutzern, TikTok hat die Marke von 2,8 Millionen überschritten, Pinterest liegt bei 2,7 Millionen, und Facebook bei rund 2,6 Millionen. YouTube erreicht als Videoplattform monatlich 4,8 Millionen Schweizerinnen und Schweizer. Die Verteilung über Generationen ist dabei signifikant unterschiedlich: Bei den unter 25-Jährigen dominiert TikTok, gefolgt von Snapchat und Instagram. In der Altersgruppe über 25 Jahren führt LinkedIn, gefolgt von Instagram, Pinterest und Facebook. 72 Prozent der Gesamtbevölkerung sind auf mindestens einer Social-Media-Plattform aktiv, und 69 Prozent der Nutzer greifen täglich oder sogar mehrmals täglich darauf zu. All diese Plattformen haben längst eigene Suchfunktionen entwickelt und werden von ihren Nutzern aktiv als Suchmaschinen verwendet — für Produktempfehlungen, Dienstleistungsvergleiche, Handwerkersuche, Restauranttipps oder eben für die Evaluation eines neuen Geschäftspartners.
Der theoretische Rahmen, der erklärt, warum Menschen überhaupt über so viele Plattformen hinweg recherchieren, ist in der Verhaltensökonomie zu finden. Kahneman und Tversky zeigten bereits 1979 in ihrer Prospect Theory, dass Menschen den Schmerz eines Verlusts doppelt so intensiv empfinden wie die Freude über einen gleichwertigen Gewinn. Diese Verlustaversion treibt ein Verhalten an, das im digitalen Zeitalter geradezu explodiert ist: Überrecherche. Je höher das wahrgenommene Risiko einer Entscheidung, desto mehr Plattformen konsultieren Menschen, um ihre Unsicherheit zu reduzieren. Ein Schreiner, der einen neuen Fräser für 200 Franken kauft, googelt vielleicht kurz. Ein KMU-Geschäftsführer, der eine neue ERP-Software für 50’000 Franken evaluiert, wird über Wochen hinweg Google durchforsten, LinkedIn-Diskussionen lesen, YouTube-Demos anschauen, auf Reddit nach Erfahrungsberichten suchen, ChatGPT um eine Marktübersicht bitten und schliesslich noch Bewertungsportale wie Capterra oder Trustpilot konsultieren. Dieses Muster gilt in der Schweiz besonders stark: Die Schweizer Bevölkerung ist laut dem Bundesamt für Statistik überdurchschnittlich gut vernetzt — neun von zehn Personen nutzen das Internet täglich — und die hohe Kaufkraft macht Investitionsentscheidungen oft besonders abwägungsintensiv.
Für Schweizer KMU ergibt sich daraus eine paradoxe Situation. Einerseits sind die meisten Unternehmen mit begrenzten Ressourcen konfrontiert — rund 90 Prozent der Schweizer KMU sind Mikrounternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitenden, die weder das Budget noch die Zeit oder das Know-how haben, um auf einem Dutzend Plattformen gleichzeitig professionell präsent zu sein. Andererseits ist genau diese Präsenz zunehmend entscheidend für den Geschäftserfolg. Der Ausweg liegt nicht darin, alles gleichzeitig zu tun, sondern darin, strategisch vorzugehen. Search Everywhere Optimization bedeutet für ein Schweizer KMU nicht, auf jeder Plattform der Welt aktiv zu sein. Es bedeutet, die drei bis fünf Plattformen zu identifizieren, auf denen die eigene Zielgruppe tatsächlich sucht und Entscheidungen trifft, und dort mit den richtigen Inhalten im richtigen Format sichtbar zu sein.
Der erste und wichtigste Schritt ist deshalb die Zielgruppenanalyse — nicht die Plattformwahl. Wer seinen Ausgangspunkt in der Frage nimmt, auf welcher Plattform man präsent sein sollte, arbeitet rückwärts. Die richtige Frage lautet: Wo sucht meine Kundschaft, wenn sie ein Problem hat, das ich lösen kann? Eine verblüffend einfache, aber wirksame Methode ist, fünf bis zehn jüngere Kunden zu interviewen und sie zu bitten, den genauen Weg zu beschreiben, über den sie zum eigenen Unternehmen gefunden haben. Typische Antworten klingen dann so: Jemand hat euch in einem LinkedIn-Post erwähnt, daraufhin habe ich euren Namen gegoogelt, dann ein YouTube-Video von euch gefunden, dann die Google-Bewertungen gelesen und erst dann euren Showroom besucht. Dieses Muster — die sogenannte nicht-lineare Suchreise — ist heute der Normalfall, nicht die Ausnahme. Und sie liefert dem KMU eine konkrete Plattform-Landkarte, die auf echtem Kundenverhalten basiert statt auf Branchentrends.
Für Schweizer KMU im B2B-Bereich — und das betrifft einen grossen Teil der Wirtschaft, von der Zulieferindustrie über den Maschinenbau bis hin zu Beratungs- und IT-Dienstleistern — ist LinkedIn die zentrale Plattform neben Google. Mit 5,3 Millionen aktiven Nutzern in einem Land mit 8,9 Millionen Einwohnern ist die Durchdringung bemerkenswert. LinkedIn wird längst nicht mehr nur für Stellensuche und Selbstdarstellung genutzt, sondern aktiv als Recherchewerkzeug: Entscheider suchen dort nach Lösungsanbietern, lesen Fachdiskussionen, prüfen die Expertise von Unternehmen anhand deren veröffentlichten Inhalte und lassen sich von Empfehlungen ihres Netzwerks leiten. Ein Schweizer Industrieunternehmen, das auf LinkedIn nicht mit substanziellen Inhalten sichtbar ist — Fachartikel, Projektberichte, Branchenkommentare —, verschenkt einen enormen Teil seiner potenziellen Reichweite. Dabei geht es nicht um virale Posts oder Unterhaltung, sondern um fachliche Sichtbarkeit und Vertrauen. In der Schweiz, wo persönliche Beziehungen und Reputation traditionell eine grosse Rolle spielen, ist LinkedIn gewissermassen die digitale Verlängerung des Handschlags.
Für KMU im B2C-Bereich — vom Handwerksbetrieb über den lokalen Einzelhandel bis zur Gastronomie — verschiebt sich der Fokus. Hier sind Instagram und zunehmend TikTok die entscheidenden Plattformen, ergänzt durch Google Business Profile und Bewertungsportale. Die Suchfunktionen dieser Plattformen sind in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut worden. Im Juli 2025 hat Google damit begonnen, Instagram-Inhalte von professionellen Accounts zu indexieren — ein Wendepunkt, der Social-Media-Inhalte direkt in die Google-Suchergebnisse bringt. Wer sein Instagram-Profil mit relevanten Keywords in Bio, Bildunterschriften und Hashtags optimiert, erscheint künftig nicht nur innerhalb der Plattform, sondern auch bei Google. Für einen Zürcher Coiffeur oder eine Berner Bäckerei kann das bedeuten, dass ein gut gemachtes Instagram-Reel bei einer lokalen Google-Suche auftaucht — eine Chance, die vor einem Jahr so noch nicht existierte.
Ein besonders unterschätzter Aspekt von Search Everywhere Optimization ist die Rolle von KI-gestützten Suchsystemen. Eine Studie der Hochschule Luzern vom Dezember 2025 untersuchte, wie Schweizer Banken in ChatGPT, Perplexity und Google Gemini dargestellt werden — und die Ergebnisse sind aufschlussreich. Die verschiedenen KI-Systeme arbeiten grundverschieden: ChatGPT agiert narrativ und kundenzentriert, bevorzugt Marken mit starker Social-Media-Präsenz und erkennbarer Tonalität. Gemini arbeitet datenorientiert, stützt sich auf strukturierte Quellen und Rankings. Perplexity kombiniert beide Ansätze und referenziert besonders häufig externe Quellen und Medienberichte. Die Studie zeigte, dass kleinere, spezialisierte Anbieter — etwa die Alternative Bank Schweiz im Bereich Nachhaltigkeit oder Neobanken wie Neon und Yuh im Bereich Mobile Banking — in den KI-Antworten teilweise sichtbarer waren als die Grossbanken, weil sie in ihrer Nische eine klare thematische Autorität aufgebaut hatten. Das ist eine direkte Lektion für KMU: Es braucht keine Millionenbudgets, um in KI-Systemen sichtbar zu werden. Es braucht klare Positionierung, konsistente Inhalte und eine nachvollziehbare Expertise in einem definierten Themenfeld.
Die Frage, wie KI-Systeme entscheiden, welche Marken und Quellen sie in ihren Antworten zitieren, führt zu einem zentralen Konzept: der Generative Engine Optimization, kurz GEO. Während klassisches SEO darauf abzielt, in den organischen Suchergebnissen von Google möglichst weit oben zu erscheinen, zielt GEO darauf ab, als zitierte Quelle in KI-generierten Antworten aufzutauchen. Eine Semrush-Analyse von 150’000 KI-Zitationen ergab, dass 40,1 Prozent aller Quellenverweise in KI-Antworten auf Reddit-Beiträge verweisen — mehr als auf Wikipedia (26,3 Prozent) oder YouTube (23,5 Prozent). Auch der Surfer AI Tracker, der 36 Millionen AI Overviews analysierte, bestätigt: Reddit gehört zu den meistzitierten Quellen von Google. Für Schweizer KMU heisst das nicht zwingend, dass sie nun alle auf Reddit aktiv werden müssen — der Schweizer Markt ist dort weniger präsent als der angelsächsische. Aber es zeigt ein Muster: KI-Systeme bevorzugen authentische, nutzergenerierte Inhalte mit echten Erfahrungswerten gegenüber generischen Marketingtexten. Ein KMU, das auf seiner Website echte Fallstudien mit konkreten Zahlen veröffentlicht, Kundenstimmen dokumentiert, Fachinhalte mit nachvollziehbarer Expertise erstellt und diese über mehrere Plattformen hinweg teilt, hat beste Chancen, von KI-Systemen als vertrauenswürdige Quelle erkannt und zitiert zu werden.
YouTube verdient in diesem Zusammenhang besondere Aufmerksamkeit. Die Plattform erreicht in der Schweiz monatlich 4,8 Millionen Zuschauer und ist nach Google die zweitgrösste Suchmaschine der Welt — und sie gehört Google, was die Integration in das gesamte Suchökosystem verstärkt. Für KMU bietet YouTube eine einzigartige Möglichkeit, Vertrauen aufzubauen, denn Video transportiert Persönlichkeit, Kompetenz und Authentizität weit effektiver als Text. Ein Sanitärunternehmen, das in dreiminütigen Videos erklärt, worauf man beim Kauf eines neuen Heizsystems achten sollte, positioniert sich als Experte — nicht nur bei YouTube-Suchenden, sondern auch in Google-Videoergebnissen und zunehmend in KI-Antworten. Die Haltbarkeit solcher Inhalte ist bemerkenswert: Während ein Social-Media-Post typischerweise nach 48 Stunden an Reichweite verliert, können suchoptimierte YouTube-Videos über Monate und Jahre hinweg kontinuierlich Traffic generieren. Semrush bezeichnet diese Eigenschaft als das Regal-Leben von Inhalten und zeigt, dass suchoptimierte Social-Media-Inhalte ihren Wert über sechs Monate und länger behalten, während viralitätsgetriebene Inhalte nach wenigen Tagen verfallen.
Die praktische Umsetzung von Search Everywhere Optimization muss für KMU ressourcenschonend sein. Der effizienteste Ansatz ist die sogenannte Content-Wasserfall-Methode: Ein einziger substanzieller Inhalt wird erstellt und dann in verschiedene Formate für verschiedene Plattformen adaptiert. Konkret könnte das für einen Schweizer Treuhandbetrieb so aussehen: Der Inhaber verfasst einen ausführlichen Fachartikel zum Thema Steuererklärung für Selbstständige in der Schweiz und veröffentlicht ihn auf der Unternehmenswebsite — suchmaschinenoptimiert, strukturiert und mit Schema-Markup versehen. Aus diesem Artikel werden dann drei LinkedIn-Posts extrahiert, die jeweils einen konkreten Tipp behandeln. Ein kurzes Erklärvideo fasst die fünf wichtigsten Punkte zusammen und wird auf YouTube hochgeladen. Drei Instagram-Carousel-Posts visualisieren die häufigsten Fehler bei der Steuererklärung. Und der ursprüngliche Artikel wird so formuliert, dass er von KI-Systemen als definitive Quelle zu diesem Thema erkannt werden kann — mit klaren Aussagen, belegten Zahlen und einer nachvollziehbaren Struktur. Aus einem einzigen Arbeitseinsatz entstehen so acht bis zehn Inhaltsstücke, die über verschiedene Plattformen hinweg Sichtbarkeit erzeugen, ohne dass jedes Mal von null begonnen werden muss.
Ein weiterer zentraler Aspekt, der in der Schweiz mit ihren vier Sprachregionen besondere Bedeutung hat, ist die Mehrsprachigkeit. Ein KMU in der deutschsprachigen Schweiz, das auch Kunden in der Romandie bedienen möchte, steht vor der Herausforderung, Inhalte in mindestens zwei Sprachen zu produzieren und zu optimieren. Die gute Nachricht: KI-Tools können heute beim Übersetzen und Adaptieren von Inhalten erheblich helfen, ohne dass die Qualität zwangsläufig leidet. Die schlechte Nachricht: Einfach übersetzen reicht nicht. Suchverhalten, bevorzugte Plattformen und kulturelle Nuancen unterscheiden sich zwischen den Sprachregionen. Der IGEM-Digimonitor zeigt etwa, dass in der Romandie digitale News signifikant häufiger über Gratis-Logins konsumiert werden als in der Deutschschweiz, und dass chinesische Einkaufsplattformen wie Temu im Tessin deutlich verbreiteter sind als in der Deutschschweiz. Solche Unterschiede wirken sich auf das Suchverhalten aus und sollten bei einer Search Everywhere-Strategie berücksichtigt werden.
Die Messung des Erfolgs einer Search Everywhere-Strategie unterscheidet sich fundamental von der klassischen SEO-Messung. Im traditionellen Modell zählten primär Google-Rankings, organischer Traffic und Klickraten. In einer Welt, in der Antworten direkt in KI-Übersichten, Social-Media-Feeds oder Sprachassistenten geliefert werden, sind viele dieser Interaktionen sogenannte Zero-Click-Suchen — der Nutzer erhält seine Antwort, ohne je eine Website zu besuchen. Das bedeutet nicht, dass diese Sichtbarkeit wertlos wäre. Im Gegenteil: Wer in einer KI-Antwort als vertrauenswürdige Quelle genannt wird oder in einem LinkedIn-Feed als Experte wahrgenommen wird, baut Markenbekanntheit und Vertrauen auf — auch wenn sich das nicht direkt in einem Website-Klick niederschlägt. Sinnvolle Metriken für eine Search Everywhere-Strategie umfassen deshalb neben klassischem Website-Traffic auch Markenerwähnungen, Zitationen in KI-Systemen, Engagement auf Social-Media-Plattformen, Entwicklung des Markennamens als Suchbegriff und letztlich natürlich die Geschäftsergebnisse — Anfragen, Offerten, Abschlüsse.
Für Schweizer KMU, die mit der Umsetzung beginnen möchten, empfiehlt sich ein pragmatisches Vorgehen in fünf Schritten. Erstens: Bestehende Sichtbarkeit prüfen — wo taucht das eigene Unternehmen bereits auf, und wo nicht? Fragen Sie ChatGPT, Perplexity und Google Gemini nach Empfehlungen in Ihrer Branche und Region und prüfen Sie, ob Ihr Unternehmen genannt wird. Zweitens: Zielgruppenverhalten verstehen — wo suchen Ihre tatsächlichen Kunden, und welchen Weg nehmen sie von der ersten Frage bis zum Kauf? Drittens: Priorisieren — wählen Sie neben Google maximal zwei bis drei Plattformen, auf denen Sie konsistent präsent sein wollen. Viertens: Inhalte erstellen und adaptieren — nutzen Sie die Content-Wasserfall-Methode, um aus wenig Aufwand maximale Reichweite zu generieren. Fünftens: Regelmässig überprüfen und anpassen — die Plattformlandschaft verändert sich rasch, und was heute funktioniert, kann in einem Jahr bereits überholt sein. Der IGEM-Digimonitor hat gezeigt, wie schnell sich Nutzungsgewohnheiten verschieben: X (ehemals Twitter) hat in der Deutschschweiz innerhalb eines Jahres ein Drittel seiner Reichweite verloren, während Instagram seinen Spitzenplatz weiter ausgebaut hat.
Die McKinsey-Analyse aus dem Jahr 2025 zur Rolle generativer KI in der Customer Journey verdeutlicht die Dringlichkeit: Bereits in der Awareness-Phase greifen 73 Prozent der Nutzer auf generative KI-Anwendungen zurück, wenn sie sich über eine Kategorie informieren wollen. Das ist kein Zukunftsszenario — das ist die Gegenwart. Schweizer KMU, die sich weiterhin ausschliesslich auf ihre Google-Platzierung verlassen, werden in den kommenden Jahren feststellen, dass ein wachsender Teil ihrer potenziellen Kundschaft gar nie bei Google nach ihnen sucht, sondern Empfehlungen direkt von KI-Systemen, Social-Media-Plattformen oder Videoportalen erhält. Die Unternehmen, die in KI-Antworten als Experten zitiert werden, in LinkedIn-Feeds als Vordenker sichtbar sind und auf YouTube vertrauensbildende Inhalte bieten, werden einen nachhaltigen Wettbewerbsvorteil aufbauen — unabhängig von ihrer Grösse.
Es wäre allerdings ein Missverständnis zu glauben, dass Search Everywhere Optimization das klassische SEO ersetzt. Vielmehr bildet eine gut optimierte Website nach wie vor das Fundament, auf dem alles andere aufbaut. Websites, die solides technisches SEO betreiben — schnelle Ladezeiten, mobile Optimierung, strukturierte Daten, klare Informationsarchitektur —, haben nachweislich bessere Chancen, auch über andere Plattformen hinweg sichtbar zu sein. Die eigene Website ist das digitale Zuhause des Unternehmens, über das man die vollständige Kontrolle hat. Social-Media-Plattformen hingegen gleichen, wie es der Digitalmarketingexperte Gary Vaynerchuk einmal formulierte, einer Party im Haus eines anderen — nützlich, aber ohne Garantie auf Beständigkeit. Deshalb sollte die Website immer der Dreh- und Angelpunkt einer Search Everywhere-Strategie bleiben, während die Plattformen drumherum als Verstärker und Vertrauensbrücken dienen.
Die technischen Anforderungen an eine Website, die für Search Everywhere Optimization gerüstet ist, haben sich allerdings weiterentwickelt. Google bewertet Inhalte zunehmend anhand des sogenannten E-E-A-T-Rahmenwerks: Experience (Erfahrung), Expertise (Fachkompetenz), Authoritativeness (Autorität) und Trustworthiness (Vertrauenswürdigkeit). Für ein Schweizer KMU bedeutet das konkret: Inhalte sollten zeigen, dass sie auf echter praktischer Erfahrung basieren — nicht auf generischem Wissen, das auch ein KI-System hätte generieren können. Autorenprofile mit nachvollziehbarem Hintergrund, Fallstudien mit realen Projekten, Originalrecherchen mit eigenen Daten, transparente Angaben zu Kompetenzen und Zertifizierungen — all das stärkt nicht nur die Google-Rankings, sondern erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, dass KI-Systeme die eigenen Inhalte als vertrauenswürdige Quelle identifizieren und zitieren. Schema-Markup hilft dabei, Informationen für Maschinen lesbar zu machen: FAQ-Schema, How-to-Schema, lokale Geschäftsdaten und Bewertungen strukturieren die Inhalte so, dass sie sowohl in Google-Ergebnissen als auch in KI-Zusammenfassungen optimal dargestellt werden können.
Ein letzter Gedanke, der für die Schweizer KMU-Welt besonders relevant ist, betrifft die kumulative Wirkung von Sichtbarkeit. Psychologische Forschung zeigt, dass der sogenannte Mere-Exposure-Effekt — allein die wiederholte Wahrnehmung einer Marke steigert die Präferenz — auch digital funktioniert. Wenn ein potenzieller Kunde Ihr Unternehmen zunächst in einer KI-Antwort erwähnt sieht, dann auf LinkedIn einen Fachartikel von Ihnen liest und schliesslich bei Google Ihren Firmennamen eingibt und eine professionelle Website mit guten Bewertungen findet, entsteht ein Vertrauenspfad, der weit stärker wirkt als jeder einzelne dieser Kontaktpunkte für sich genommen. Search Everywhere Optimization ist deshalb keine Taktik, sondern ein strategischer Ansatz, der die Art und Weise, wie Menschen heute suchen, ernst nimmt — und daraus eine Chance für Unternehmen jeder Grösse macht. Die Schweizer KMU, die diese Chance jetzt ergreifen, werden feststellen, dass man auch mit bescheidenen Mitteln eine bemerkenswerte digitale Präsenz aufbauen kann, wenn man die richtigen Plattformen bespielt und die Qualität der eigenen Inhalte über deren Quantität stellt.
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