Baukasten statt Monolith: Wie Composable Architecture die Webentwicklung revolutioniert

Die digitale Landschaft verändert sich schneller denn je. Um in diesem Tempo mithalten zu können, müssen Unternehmen ihre starren, monolithischen IT-Systeme aufbrechen. **Composable Architecture** ist die Antwort auf diese Herausforderung. Es ist ein modularer Ansatz, bei dem Anwendungen aus kleinen, unabhängigen und austauschbaren Komponenten – den sogenannten **Microservices** – zusammengesetzt werden. Anstatt ein einziges, unflexibles System zu pflegen, entsteht eine agile, zukunftsfähige Plattform, die sich schnell an neue Geschäftsanforderungen anpassen lässt. Diese Philosophie, oft zusammengefasst durch die **MACH-Prinzipien**, ist der Schlüssel zur nächsten Generation der Digital Experience Platforms (DXP).

Die Grundlagen: Von der Monolith-Falle zur Microservices-Freiheit

Traditionelle Unternehmenssoftware, wie monolithische CMS oder E-Commerce-Suiten, sind als eine einzige, eng gekoppelte Einheit konzipiert. Jede Änderung, selbst eine kleine, erfordert das Testen und den erneuten Einsatz des gesamten Systems. Composable Architecture bricht dieses Paradigma auf.

 

Microservices als Bausteine

Der Kern der Composable Architecture sind **Microservices**. Dies sind kleine, unabhängige Dienste, die jeweils eine spezifische Geschäftsfunktion erfüllen (z.B. Produktkatalog, Warenkorb, Benutzerauthentifizierung). Sie kommunizieren über APIs und können unabhängig voneinander entwickelt, eingesetzt und skaliert werden [1].

MerkmalMonolithische ArchitekturComposable Architecture (Microservices)
StrukturEine grosse, eng gekoppelte CodebasisKleine, unabhängige Dienste (Microservices)
DeploymentAlles oder nichts; hoher AufwandUnabhängiges Deployment pro Service; geringes Risiko
TechnologieStarr; eine Technologie für allesFlexibel; «Best-of-Breed» für jeden Service
SkalierungNur das gesamte System kann skaliert werdenEinzelne, stark beanspruchte Dienste können skaliert werden
Tabelle: Monolith vs. Composable (Microservices)

Die MACH-Prinzipien

Die MACH Alliance hat die Leitprinzipien für diese neue Architektur definiert, die als Grundlage für moderne, Composable DXPs dienen [2]:

  • Microservices: Unabhängige, modulare Dienste.
  • API-first: Alle Funktionen sind über APIs zugänglich.
  • Cloud-native: Nutzung der vollen Skalierbarkeit und Elastizität der Cloud.
  • Headless: Entkopplung von Frontend und Backend.

Die Vorteile: Agilität, Skalierbarkeit und Time-to-Market

Die Umstellung auf Composable Architecture ist primär eine strategische Entscheidung, die sich direkt auf die Geschäftsagilität auswirkt.

 

Geschwindigkeit und Unabhängigkeit

Durch die Entkopplung können Entwicklungsteams autonom arbeiten. Ein Team kann den Warenkorb-Service aktualisieren, ohne das Team zu stören, das am Content-Service arbeitet. Dies führt zu einer massiven Beschleunigung der Innovationszyklen. Neue Funktionen können in Tagen statt in Monaten auf den Markt gebracht werden.

Da jeder Microservice unabhängig skaliert werden kann, können Unternehmen Ressourcen effizienter nutzen. Wenn beispielsweise der Produktkatalog während der Weihnachtszeit stark frequentiert wird, kann nur dieser Service skaliert werden, ohne die gesamte Anwendung zu belasten. Dies erhöht die **Resilienz** des Gesamtsystems [3].

Die Composable DXP: Die Zukunft der digitalen Erlebnisse

Der Trend zur Composable Architecture manifestiert sich am deutlichsten in der Entwicklung der Digital Experience Platforms (DXP). Gartner prognostiziert, dass bis 2027 mindestens **60% der neuen B2C- und B2B-Digital-Commerce-Lösungen** auf MACH-Architekturprinzipien basieren werden [4].

 

Die «Best-of-Breed»-Strategie

Unternehmen können nun die besten Tools für jeden spezifischen Zweck auswählen und diese über APIs miteinander verbinden. Anstatt sich mit einem mittelmässigen E-Commerce-Modul eines monolithischen CMS zufriedenzugeben, kann ein Unternehmen ein spezialisiertes Headless CMS mit einer führenden E-Commerce-Engine und einem Best-in-Class-Personalisierungstool kombinieren.

ArchitekturVorteilHerausforderung
MonolithEinfache Erst-Integration (alles aus einer Hand)Geringe Flexibilität, hohe Upgrade-Kosten
ComposableHohe Flexibilität, «Best-of-Breed»-AuswahlKomplexität der Integration, Notwendigkeit einer starken API-Strategie
Tabelle: Die Herausforderung der Integration

Die Rolle des Systemintegrators

In der Composable-Welt verschiebt sich die Rolle des Systemintegrators. Er ist nicht mehr nur für die Implementierung eines einzigen Systems zuständig, sondern wird zum **Architekten und Orchestrator** der verschiedenen Microservices. Die Fähigkeit, APIs zu verwalten und die Interaktion zwischen den Diensten zu optimieren, wird zur kritischen Kernkompetenz.

Die Notwendigkeit der Modularität

Composable Architecture ist mehr als nur ein technischer Trend; es ist eine Geschäftsstrategie, die es Unternehmen ermöglicht, mit der Geschwindigkeit des Marktes zu innovieren. Es befreit sie von den Fesseln starrer, monolithischer Systeme und ermöglicht eine agile, zukunftssichere Entwicklung.

Der Weg zur Composable DXP erfordert Investitionen in die API-Strategie und die Orchestrierung der Microservices. Doch die Belohnung – in Form von höherer Agilität, besserer Skalierbarkeit und der Möglichkeit, stets die besten Tools zu nutzen – macht diesen Wandel zu einer unumgänglichen Notwendigkeit für jedes Unternehmen, das seine digitale Zukunft aktiv gestalten will.

Quellenverzeichnis

  1. Atlassian. (o.J.). Microservices vs. monolithic architecture. [Online-Artikel]
  2. MACH Alliance. (o.J.). MACH Principles. [Online-Artikel]
  3. Contentstack. (2024). Microservices boost composable DXP efficiency & agility. [Online-Artikel]
  4. MACH Alliance. (o.J.). Gartner Forecasts 60% Adoption of MACH Architecture in …. [Online-Artikel]
  5. Strapi. (2025). What is Composable Architecture? (2025 Guide). [Online-Artikel]
  6. Luzmo. (2024). Composable Architecture: How to Master Modularity in 2025. [Online-Artikel]

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